Tanuky zu Tanabe
Geschichten einer Füchsin

Füchse
Geschichten von Füchsen
Geschichten über Füchse
Irgendwann, irgendwo. Sagen wir... Ach was. Berge und Wälder. Manchmal ein Haus oder eine Hütte und all das mitten im Nichts. Dort gibt es Menschen, Tiere und... natürlich Füchse. Kleine schlaue Gesellen mit der nötigen Portion Witz. Und von einem dieser Gesellen handeln diese Geschichten.
Der Mönch und die Erleuchtung
Es war ein großer dichter Wald. Im Sommer war ein fast undurchdringliches Grün. Im Winter, wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen hatten, wirkte er nur halb so dicht, obwohl das Grün nie ganz verschwand. Aber noch war es nicht soweit. Der Herbst hatte das Laub gelb, rot und orange gefärbt. Nur die Tannen standen noch im satten Grün. Und am Fuße einer dieser Tannen saß... na... ein Fuchs. Genauer gesagt Tanuky.
Sie saß unter der Tanne und schaute über das Land. Nun ja, vielleicht nicht allzu weit. Aber sie hatte einen etwas erhöhten Punkt gewählt und konnte so die Lichtung gut einsehen.
Wie gesagt... sie beobachtete mit nicht allzu viel Interesse ihre Umgebung. Da bemerkte sie einen Mann. Er war nicht groß. Eher klein und recht schmächtig. Und seine Haare? Hatte er überhaupt welche? Nein, wohl eher nicht, denn sein Schädel begann in der Sonne zu glänzen als, er auf die Lichtung trat. Und seine Kleidung erst einmal. Er schien in ein buntes Bettuch gehüllt zu sein. < Menschen! Menschen sind schon seltsame Tiere. > Sagte sie zu sich selbst. Und weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte, ging sie langsam zu ihm hinüber.
Als sie bei ihm ankam sprach er sie freundlich an.
"Der Friede Buddhas sei mit Dir, mein pelziger Freund."
Er verbeugte sich mit einem Lächeln. Sie schaute ihn fasziniert an.
"Was machst Du hier?" Fragte sie dann neugierig.
"Ich suche die Erleuchtung." Gab er bereitwillig Auskunft. Er lächelte immer noch.
"Soso. Die Erleuchtung suchst Du... Wie geht das?" Wollte sie dann wissen.
"Die Erleuchtung ist überall und nirgends. Durch Meditation und Demut kann man die Erleuchtung finden." Seine Stimme war sanft und er lächelte bei diesen Worten. Dann verbeugte er sich und lächelte sie wieder an.
"Ach so. Erleuchtung. Meditation. Demut." Sagte sie dann und sie mußte bei jedem Wort leise kichern. Dann fragte sie in unvermutet.
"Soll ich Dir helfen, erleuchtet zu werden?" Sie lächelte unschuldig.
"Das würdest Du tun?" Er wirkte sehr erleichtert.
"Folge mir einfach nach."
Und so folgte der Mönch der Füchsin in den Wald. Manchmal blieb sie stehen und zeigte auf einen trockenen Ast, den der Mönch dann aufhob. Das Bündel auf seinem Rücken wurde immer größer und sein Rücken immer krummer. Mit der Zeit bildeten sich kleinen Schweißtropfen, die im über das Gesicht rannen.
"Du lehrst mich wahre Demut." Sagte er ächzend.
"Ich habe nie gesagt, daß es einfach wäre." Sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. Und sie gingen immer weiter.
Dann endlich als es langsam Abend wurde, erreichten sie eine Felswand. Flugs sprang sie weiter und verschwand hinter einem Stein. Als der Mönch ihr folgte, sah er eine Öffnung im Felsen. Er zwängte sich mit seinem sperrigem Bündel hindurch. Und dann fand er sich in einer behaglichen Wohnhöhle wieder.
"Du kannst das Bündel dort ablegen." Sie zeigte auf eine Stelle am Boden, die von Ruß ganz schwarz war. Polternd fiel das Bündel zu Boden. Seufzend sank er daneben nieder.
"Du bist noch nicht fertig." Ermahnte ihn Tanuky und wies ihn an, etwas Holz aufzuschichten. Er tat wie ihm geheißen. Er versuchte sogar dabei zu lächeln. Zufrieden schaute sie zu. Dann trat sie zu ihm, beugte sich zu dem aufgeschichteten Holz herunter, murmelte einige Worte und machte eine Geste mit der Hand. Alsbald war ein sanftes Glühen zu sehen. Rauch stieg auf und kräuselte sich. Dann brannte auch schon ein lustiges Feuer. Stolz richtete sie sich auf.
"Da schau." Sie breitete beide Arme aus.
"Es ist erleuchtet!"

Der CatCoon
An einem sonnigen Tag lag Tanuky auf ihrem Lieblingsfelsen und ließ sich den Pelz wärmen. Ihre Augen waren halb geschlossen. Genüßlich drehte sie sich auf die andere Seite. Das Leben konnte so wunderbar sein. Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Sie spitze die Ohren. Da war es wieder. Sie hob den Kopf. Nun konnte sie es sehen. Eine Gestalt ging durch den Wald, immer bemüht kein Geräusch zu machen. Aber nichts entging Tanukys scharfen Ohren. Und so blieb auch dieser nicht unbemerkt. Und dann konnte sie ihn sehen. Eine pelzige Gestalt mit großen Ohren und riesigen Augen. Was es wohl sein mochte?
"Juhu!" Rief sie laut und winkte. Die Gestalt schaute erschreckt auf. Doch dann erwiderte sie das Winken. Sie beschleunigte ihre Schritte und kam auf sie zu.
"Sanfte Grüße!" Begrüßte Tanuky ihn und beschrieb mit ihrer Hand einen Kreis in der Luft.
"Auch Dir sanfte Grüße!" Antwortete er. Nun sah es Tanuky. Die riesigen Augen war eine schwarze Fellpartie, die die Augen so wirken ließ.
"Mein Name ist Khirath." Sagte er dann.
"Ich heiße Tanuky!" Sie betrachtete ihn weiter neugierig.
"Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so aussieht wie Du."
"Ich bin ein CatCoon."
Sie schaute ihn skeptisch an. Sie schnüffelte. Eigentlich roch er recht harmlos. Aber es war dennoch etwas seltsames an ihm.
"Dies ist mein Lieblingsfelsen... Magst Du Dir auch den Pelz wärmen?" Sie rückte ein wenig zur Seite, um für Khirath Platz zu machen. Er setzte sich neben sie auf den Felsen und schaute mit ihr über die Lichtung.
"Das ist wirklich ein schöner Platz, den Du hier hast."
Und so saßen sie auf dem Felsen und schauten über das Land... Und der Mond war so schön.

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